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Wie ich meinem Kind unbewusst beim Sprechen lernen fördere

Wenn Eltern mit ihren Babys sprechen, verdrehen kinderlose Erwachsene mitunter die Augen: Die Eltern sprechen mit hoher Stimme, nutzen ein breites Spektrum an Tonhöhen und sprechen auch ansonsten übertrieben. Selten ist diese Sprechweise ein Teil der bewussten Erziehung, doch sie unterstützt die Entwicklung der Sprache und hat sogar einen eigenen Namen: "Parentese".

 

 

Elternesisch für Anfänger

Das englische Wort "Parentese" lässt sich in etwa mit "Elternesisch" übersetzen. Als Elternteil verfällst du oft automatisch in diese Sprechweise, wenn du mit deinem Baby kommunizierst. Du betonst Wörter stärker, als du es normalerweise tun würdest. Gleichzeitig verwendest du sowohl hohe als auch tiefe Töne. Wenn du dir die Tonhöhe als eine Melodie vorstellst, würde sie sich auf und ab bewegen. In einem ruhigen Gespräch zwischen zwei Erwachsenen weicht diese Sprechmelodie jedoch nur leicht ab.

 

Wahrscheinlich begleitest du dein Elternesisch von passender Mimik und Gestik - zum Beispiel, indem du dein Kind anlächelst oder einen karikaturesk übertriebenen Überraschungs-Ausdruck zeigst. Nicken und andere Kopfbewegungen gehören oft ebenfalls dazu. Das alles zieht nicht nur die Aufmerksamkeit deines Babys auf dich, sondern kann Studien zufolge die Entwicklung der Sprache unterstützen.

 

 

Wie funktioniert das Verstehen von Sprache?

Sprache ist überaus komplex - sie zu entschlüsseln erfordert viele kognitive Prozesse, die zusammen die Sprachverarbeitung ergeben. Die Schallwellen übertragen in deinem Ohr ihre Schwingung auf eine Membran, die gegen die haarähnlichen Enden der Hörzellen drückt. Die Hörzellen erzeugen ein elektrisches Potenzial, das über die Nerven ins Gehirn gelangt. Dort müssen dem Signal verschiedene Informationen entnommen werden, was in verschiedenen Teilen des Hörzentrums geschieht: Lautstärke und Tonhöhe gehören zu den einfacheren. Die eigentliche Sprache setzt sich jedoch aus dem spezifischen Lautmuster zusammen, das wir von uns geben.

 

Beim Sprechen ist uns nicht bewusst, dass wir einen kontinuierlichen Strom aus Lauten erzeugen. Physikalisch betrachtet sind die einzelnen Wörter nicht voneinander abgegrenzt - sie werden ohne Pause aneinandergereiht. Da Gehirn muss sie also voneinander trennen. Dieser Prozess heißt lexikalische Segmentation. Darüber hinaus muss dein Nervensystem die einzelnen Wörter identifizieren und ihnen einen Sinn zuordnen, der sich je nach Kontext verändern kann. Kurz: Die Sprachverarbeitung enthält viele Prozesse, die dein Baby erst noch lernen muss.

 

 

Deshalb hilft Elternesisch deinem Baby

Eine übertriebene Sprechweise verdeutlicht, welche Laute überhaupt zur Sprache gehören und wie sie ausgesprochen werden. Denke nur an das Englische "th", dessen Bildung vielen Deutschen schwerfällt, oder an die französischen Nasallaute. Darüber hinaus verdeutlicht Elternesisch die Struktur der Sprache. Unterstützt wird dies dadurch, dass die meisten Väter und Mütter den Satzbau vereinfachen, wenn sie mit ihrem Baby sprechen.

Der "Eltern-Sprech" vermittelt deinem Kind zudem ein soziales Signal. Dein Baby weiß, dass du gerade mit ihm sprichst und nicht mit jemand anderem. Über den Klang deiner Stimme und deinen Gesichtsausdruck erkennt es zudem deine Emotionen und spiegelt diese wider.

 

Ob der kleine Vorsprung in der Entwicklung der Sprache deinem Kind auch bei der späteren Bildung einen Vorteil verschafft, ist unklar. Fest steht jedoch, dass du Elternesisch bewusst in der Erziehung einsetzen solltest, um dein Baby auch sozial und emotional anzusprechen.

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